Sport mit Hämophilie? Ja klar!

Janis Kalnins ist Diplom-Sportwissenschaftler und hat 2003 das von CSL Behring unterstützte Sportprogramm „Watercise" entwickelt. Watercise ist speziell auf die Bedürfnisse von Hämophilen ausgerichtet und umfasst gelenkschonende Übungen im Wasser. Da nicht immer ein Schwimmbecken zur Verfügung steht, hat Janis Kalnins das Sportprogramm mit neuen Übungen mit Thera-Bändern oder Tubes ergänzt, die sich leicht „auf dem Trockenen" bewerkstelligen lassen. Warum ein solch gezieltes Muskeltraining für Hämophile von Bedeutung ist und was beim Training zu beachten ist, hat uns Janis Kalnins im Folgenden näher erklärt:

Herr Kalnins, warum sind Sport und Muskeltraining besonders für Menschen mit Hämophilie so wichtig?

Durch Sport wird die Koordination verbessert, die Ausdauer gesteigert und damit generell die Gesundheit gestärkt. Die dabei entstehende muskuläre Stabilisation sorgt für einen erhöhten Schutz der Gelenke.

Warum sind die Übungen mit dem Thera-Band oder Tube hierfür besonders von Vorteil?

Das Workout mit dem Thera-Band oder Tube ist vielseitig und spricht viele Muskelgruppen an. Thera-Bänder und Tubes sind darüber hinaus sehr kostengünstig und erlauben das gezielte Training für alle Leistungsstufen durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade der Bänder. Zudem sind die Übungen jederzeit und überall durchführbar und die Verletzungsgefahr ist sehr gering.

Was sollte man bei den Übungen besonders beachten?

Grundsätzlich gilt, dass vor jedem Training die Gelenke erwärmt werden sollten, um Anreiz zur Bildung von Gelenkflüssigkeit zu schaffen. Dies wird am besten erreicht durch leichte Ausdauerübungen und Bewegungsausführungen ohne den Widerstand (z.B. das Thera-Band). Bei der Durchführung der Übungen mit den Bändern ist es sehr wichtig, auf eine korrekte Ausführung zu achten. Wenn Schmerzen auftreten, sollte dies als Warnsignal beachtet werden, die Übung beendet werden und ein Arzt nach seiner Einschätzung befragt werden.

Wie häufig sollte man trainieren?

Ein effektives Krafttraining sollte circa 2mal pro Woche stattfinden, wobei mindestens 48 Stunden Pause zwischen zwei Trainingseinheiten für eine bestimmte Muskelpartie liegen sollten. Dabei sind auch kurze Trainingseinheiten von 15 bis 20 Minuten in Ordnung. Generell ist ein Krafttraining maximal effektiv bis 45 Minuten, darüber hinaus findet kein zusätzlicher Muskelaufbau mehr statt. Um das Training interessant und effektiv zu halten, ist es sinnvoll die Abfolge der Übungen zu variieren. Es gibt Thera-Bänder und Tubes mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden.

Sollte man am Anfang besser Bänder mit einem größeren Schwierigkeitsgrad verwenden oder die Übungen häufiger mit einem Band mit kleinerem Schwierigkeitsgrad wiederholen?

Zu Beginn eines Trainingsprogrammes ist es gesünder, die Übungen häufiger mit einem Band mit niedrigem Schwierigkeitsgrad zu wiederholen, um den Bewegungsablauf zu erlernen. Dabei sollte bewusst auf eine saubere Technik und die korrekte Durchführung geachtet werden. Im Allgemeinen benötigen komplexen Bewegungsabläufe über 2000 einzelne Wiederholungen der Bewegung bis das sogenannte „Bewegungslernen" abgeschlossen ist. Danach kann das Training durch höhere Widerstände und geringere Wiederholungszahlen abgewandelt werden.

Wie entspannt man die Muskeln nach den Übungen?

Das Dehnen sollte am Ende einer Trainingseinheit erfolgen. Dabei ist es wichtig die Muskeln nach dem Training zu mobilisieren, aber die ausgepowerte Muskulatur nicht zu intensiv zu dehnen. Das bedeutet, dass die Bewegung ohne Gewicht oder Widerstand ausgeführt wird und die Dehnung nicht voll und allzu lange gehalten wird.

Generell ist wichtig: Haben Sie Spaß dabei und genießen Sie das entspannte Gefühl nach einer anstrengenden Trainingseinheit!