Konduktorin Hämophilie A / Hämophilie B

Die Hämophilie wird über das Geschlechtschromosom, das X-Chromosom, vererbt. Männer haben ein X- und ein Y-Chromosom. Wenn das X-Chromosom den Defekt aufweist, tritt die Erkrankung in Erscheinung. Frauen haben hingegen zwei X-Chromosomen. Falls Frauen den Defekt auf einem X-Chromosom tragen, tritt die Erkrankung bei ihnen nicht oder nur in abgeschwächter Form auf, da Frauen noch ein weiteres, gesundes X-Chromosom haben. Es treten aber auch bei Konduktorinnen verminderte Faktorwerte auf, die zwischen 10 % und 100 % schwanken können. Meist liegt der Wert bei 50 % bis 60 %. Diese niedrigen Werte können zu Blutungskomplikationen wie

  • verstärkte und verlängerte Menstruationsblutungen,
  • Nasenbluten,
  • gehäuftes Auftreten von blauen Flecken,
  • Nachblutungen nach Operationen und Zahnentfernungen,
  • Blutungen unter oder nach der Geburt

führen.

Müdigkeit und Erschöpfungsgefühle können auf diese verstärkten Blutungen zurückzuführen sein. Wir möchten Sie ermuntern, mit Ihrem Hausarzt über Ihre Situation zu sprechen und, falls notwendig, doch eine Beratungsmöglichkeit in einem Hämophiliezentrum zu suchen.

Wenn Sie Konduktorin sind, ist es für Sie sehr wichtig, sich vor anstehenden Operationen in einem Hämophiliezentrum untersuchen zu lassen. Durch die Durchführung einer Gerinnungsanalyse kann festgestellt werden, wie Ihre Faktorwerte sind. Lassen Sie sich vor jeder Operation von Ihrem Hämophiliebehandler einen Substitutionsplan ausstellen. Der behandelnde Operateur ist dann vorbereitet und kann im Falle von Blutungen in Absprache mit dem Hämophiliebehandler entscheiden, ob und wenn ja, mit welchem Medikament Sie behandelt werden müssen.