Was tun bei Verletzungen oder Blutungen?

Leichte Schnitt- oder Schürfwunden werden genauso behandelt wie bei anderen Kindern oder Jugendlichen auch. Diese leichten Blutungen stoppen von alleine. Betroffene mit einer Hämophilie bluten nicht stärker als blutungsgesunde Personen, sondern länger. Da ein wichtiger Gerinnungsfaktor in ihrem Blut fehlt, dauert es länger, bis die Blutung zum Stillstand kommt. Wenn erforderlich, reicht ein Pflaster oder ein Druckverband aus.
Bei Stürzen oder einer Sportverletzung reicht es aus, die betroffene Stelle zu kühlen oder eventuell eine Bandage gegen die Schwellung anzulegen.
Notfälle kommen bei Hämophilen nicht öfter vor als bei anderen Kindern und Jugendlichen auch. Aber falls ein Notfall eintritt, müssen Ärzte und Sanitäter immer sofort über die Hämophilie-Erkrankung informiert werden. Betroffene mit Hämophilie sollten immer einen Notfallausweis bei sich tragen. Auf diesem sind die Krankheit und das Arzneimittel sowie der behandelnde Hämophiliearzt vermerkt. Fragen Sie, wo das Kind diesen Ausweis hat. Oder legen Sie eine Kopie dieses Notfallausweises zu Ihren Akten. So sind Sie im Fall der Fälle gut gerüstet.
Bei Betroffenen mit einer schweren Hämophilie können Blutungen auch spontan, d. h. ohne einen äußeren Anlass, auftreten. Dabei kann es sich sowohl um Gelenk- als auch um Muskelblutungen handeln. Jede Blutung sollte vermieden werden, da dadurch irreparable Schädigungen auftreten können. Ältere hämophile Erwachsene haben oft kaputte Gelenke, da früher die Therapie nicht so gut war wie heute.
Das Kind oder der Jugendliche kennt die Anzeichen, die auf eine Blutung hindeuten. Diese Anzeichen sollten immer ernst genommen werden, da jede innere Blutung zu vermeiden ist.

Besonders hellhörig sollten Sie werden, wenn von Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen die Rede ist. Dies können Anzeichen für eine Hirnblutung sein. Hirnblutungen treten zwar selten auf, müssen aber sofort behandelt werden.

Bei schweren Blutungen oder bei Verdacht auf eine innere Blutung ist eine Faktorgabe notwendig. Am besten sprechen Sie im Vorfeld mit den Eltern ab, wen Sie kontaktieren können, wenn Sie Fragen haben.
Hilfreich ist auch, das Faktorkonzentrat für Notfälle in der Schule vorrätig zu halten. Eine Packung reicht aus, um die Zeit bis zur Behandlung durch den Arzt zu überbrücken. Und falls ein Notarzt oder der Schularzt zur Stelle sind, können diese den Faktor direkt intravenös spritzen.

In den 80er Jahren ist viel über eine Übertragung von AIDS oder Hepatitis durch die Faktorkonzentrate bei Blutern berichtet worden. Die heutigen Faktorkonzentrate sind mit Konzentraten von vor 30 Jahren in Punkto Sicherheit nicht mehr vergleichbar. Übertragungen sind in Deutschland in den letzten fünfundzwanzig Jahren nicht mehr beobachtet worden. Aber es gilt immer: Blut eines jeden Menschen ist immer als potentiell ansteckend anzusehen. Das Tragen von Einmalhandschuhen bei Kontakt mit Blut ist daher Pflicht! Dies gilt aber nicht nur für Bluterkranke, sondern für alle Menschen!