Welche Therapie gibt es?

Bei Ihrem Sohn ist ein Hemmkörper festgestellt worden. Sicherlich stellen Sie sich jetzt die Frage, was dies für Ihr Kind bedeutet. Hemmkörper treten erfahrungsgemäß meist zu Beginn der Therapie auf – während der ersten zwanzig Behandlungstage ist das Risiko am größten. Als Behandlungstag wird jeder Tag gezählt, an dem Ihr Sohn Faktor bekommen hat. Die Ärzte sprechen auch von Expositionstagen. Wenn bis zum 50. Behandlungstag kein Hemmkörper aufgetreten ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass ein Hemmkörper auftreten wird.

Die Bildung von Hemmkörpern ist heutzutage die schwerwiegendste Nebenwirkung der Hämophilietherapie. Oft entsteht eine bedrohliche Blutungsneigung, die in den Griff zu bekommen ist.

Meist treten Hemmkörper bei Betroffenen mit einer schweren Hämophilie auf. Diese haben nur sehr wenig oder sogar gar keinen eigenen Faktor. Wenn sie jetzt den Gerinnungsfaktor gespritzt bekommen, erkennt das Immunsystem Ihres Sohnes diesen Faktor als ein fremdes Eiweiß und möchte sich davor schützen. Der Körper bildet dann Hemmkörper gegen den gespritzten Gerinnungsfaktor. Dadurch werden weitere Zellen des Immunsystems aktiviert, und der Gerinnungsfaktor ist nicht mehr wirksam. Daher ist die Menge an Faktor im Blut Ihres Kindes wesentlich geringer als erwartet, und es treten vermehrt Blutungen auf.

Bei der Therapie unterscheidet man zum einen zwischen der Behandlung von Blutungen bei Betroffenen mit Hemmkörpern und der dauerhaften Beseitigung von Hemmkörpern.

Hemmkörper treten wesentlich häufiger bei Betroffenen mit Hämophilie A als bei Hämophilie B auf. 20–30  % aller Betroffenen mit einer schweren Hämophilie A entwickeln einen Hemmkörper gegen Faktor VIII, dagegen nur 2–4 % aller Betroffenen mit schwerer Hämophilie B. Warum diese Unterschiede bestehen, ist bisher noch nicht geklärt.