Sind rekombinante Faktorkonzentrate sicherer als plasmatische Faktorkonzentrate?

Nein. Sowohl plasmatische als auch rekombinante Gerinnungsfaktoren sind sicher in Bezug auf die Virussicherheit. Alle Faktorkonzentrate werden sorgfältig hergestellt und unterliegen strengen Prüfungen und Freigaben durch den pharmazeutischen Hersteller und die deutsche Behörde.

Die schlimmste Nebenwirkung in der Behandlung der Hämophilie A ist heutzutage das Auftreten von Hemmkörpern. Es gibt Hinweise darauf, dass mehr Hemmkörper bei der Behandlung mit rekombinanten Faktor-VIII-Produkten auftreten als mit plasmatischen Faktor-VIII-Produkten (Iorio et al.). Zwischen den einzelnen Faktor-VIII-Produkten gibt es diesbezüglich große Unterschiede.

Oft hört man, dass rekombinante Faktoren sicherer sind, weil plasmatische Faktoren ein theoretisches Restrisiko einer Übertragung von Viren und anderen Krankheitserreger in sich tragen. Wenn es ein nachgewiesenes Risiko bei den plasmatischen Faktoren gäbe, würde keine Behörde diese Produkte zulassen.

Die Blut- und Blutprodukte, durch die es in den 1980er Jahren zu Hepatitis- und HIV-Übertragungen gekommen ist, sind nicht mit den Blutprodukten von heute zu vergleichen. Viele Schritte sind eingeführt worden, um die Konzentrate sicher zu machen – mit Erfolg. Seit nahezu 25 Jahren ist kein Fall einer nachgewiesenen Übertragung von HIV oder Hepatitis B in Deutschland durch virusinaktivierte Faktorkonzentrate aufgetreten.